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Lutz Wohlrab – Postkunst

Lutz Wohlrab – Fluchtpunkt Kunst

Neu im Verlag

Buchpremiere 24. Juli 2026, 17 UhrFalladahaus Greifswald
Lutz Wohlrab stellt das Buch und Artefakte aus der Greifswalder Zeit vor und zeigt neue Bilder.

In diesem Buch erzählt Lutz Wohlrab von gemeinsamen Aktionen mit Martin Bernhardt und Dietrich Buhrow. Diese Gruppe fiel in den 1980er Jahren in Greifswald zuerst durch ihre Hoffeste auf. Weil sie sich mit dem Verfall der Altstadt nicht abfinden konnten, klebten sie 1984 nachts Plakate an Hauswände. Es war ein Protest gegen die geplante »Stadtverschönerung« durch den Bau eines Brunnens auf dem Marktplatz. Im Linoldruckverfahren stellten sie das Buch »FHUNDE« her. Auf der Buchpremiere kam es zu einem Skandal, einer Fahnenverbrennung. Dietrich Buhrow und Martin Bernhardt wurden zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Lutz Wohlrab und Martin Bernhardt wurden für drei Jahre vom Studium ausgeschlossen. Sie stellten keine Ausreiseanträge, denn die Kunst war ihr Fluchtpunkt. Sie beteiligten sich an internationalen Mail Art-Projekten und organisierten selbst welche.

Erscheinungsdatum 07/2026 Preis 15,00 € Umfang 96 Seiten, mit vielen farbigen Abbildungen Format 17 × 24 cm ISBN 978-3-9825642-1-0

Lutz Wohlrab – Fluchtpunkt Kunst S. 14/15 Lutz Wohlrab – Fluchtpunkt Kunst S. 34/35
Lutz Wohlrab – Fluchtpunkt Kunst S. 60/61 Lutz Wohlrab – Fluchtpunkt Kunst S. 74/75
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Rezensionen

»Im Nachhinein reibt man sich die Augen und staunt, wie in der DDR zu Beginn der 80er Jahre eine breite, gewaltlose Bewegung entstand, ohne klaren Anführer, mit verschiedensten Akteuren, die sich gegenseitig zur Kenntnis nahmen und sich vom Ideenreichtum und Mut anderer anstecken ließen. Auch in der Evangelischen Studentengemeinde Greifswald engagierten sich viele junge Leute mit eigenen Ausstellungen, Plakaten und Veranstaltungen. Was drei von ihnen darüberhinaus auf eigene Verantwortung hin taten, kann man hier nachlesen. Das Buch erzählt von jungen Menschen, die nicht nur nicht mehr mitmachen wollten, sondern es wagten, aktiven Widerspruch zu artikulieren. Und die bereit waren, im Zweifelsfall die Konsequenzen zu tragen.«

Harro Lucht, Autor des Buches Das Nadelöhr der Freiheit. Unzensierte Erinnerungen eines ostdeutschen Studentenpfarrers, Lukas Verlag 2022

»Das Buch habe ich mit großem Interesse gelesen. Mail Art wurde Ende der 1970er Jahre eine wichtige künstlerische Verbindung zwischen Ost + West, ein Austausch von Ideen, direkt von Mensch/Künstler zu Künstler/Mensch. Im Westen wie im Osten waren thematische Mail Art-Projekte oft in alternativen Räumen angesiedelt + vorangetrieben von engagierten Menschen. 1977 wurde das Internationale Künstler Gremium u.a. von Joseph Beuys und Klaus Staeck gegründet, das gerade den Ost-West-Austausch zum Ziel hatte. Ausstellungen von Mail Art-Projekten in der DDR waren ein Beleg dafür, dass die Mail Art das erste unabhängig funktionierende Netzwerk weltweit war. Mit 230 Teilnehmern aus 30 Ländern war 'Vom alten Adam zum neuen Menschen' ein starker Ausdruck dieser weltumspannenden Künstler-Bewegung. Und wie üblich gab es eine Dokumentation für alle Teilnehmer. Diese, aufwendig und unter komplizierten Bedingungen hergestellt, wird im Buch vollständig reproduziert. 'Man kann alles drucken', das Motto von Lutz Wohlrab und seinen Freunden, habe ich Ende der 1980er selbst gedacht, aber mehr in Richtung 'Alles ist vorhanden'. So war ich der Erste, der aus Not in Abfall-Containern hinter Supermärkten Esswaren herausfischte, lange bevor das Wort 'Containern' aufkam. Zu dieser Zeit machte ich mit Freunden auch 'Baustellen-Skulpturen'. Am nächsten Morgen dachten die Arbeiter bestimmt, dass der Bauherr mit seinen Kindern zum Spielen vorbeigekommen war.«

Jürgen O. Olbrich, documenta 8 + mailart-Künstler aus Kassel

»Sein neues Buch Fluchtpunkt Kunst ist keine distanzierte historische Abhandlung. Es ist Erinnerungsbuch, Künstlerbuch, Archivstück und politisches Dokument zugleich. Man liest darin von Hoffesten, Linolschnitten, illegalen Drucken, Super-8-Filmen, Freundschaft, Verrat, Haft und von einer Kunst, die keinen offiziellen Raum bekam und sich deshalb ihre eigenen Räume schuf.

Der Titel ist genau gewählt. Fluchtpunkt meint hier nicht die Flucht aus dem Land. Wohlrab, Martin Bernhardt und Dietrich Buhrow stellten keine Ausreiseanträge. Die Kunst war ihr Fluchtpunkt. Sie druckten, feierten, filmten, verschickten, hielten Kontakt. Sie suchten nicht den Ausweg aus der Wirklichkeit, sondern einen Punkt, von dem aus diese Wirklichkeit anders sichtbar wurde.

Besonders stark ist das Buch dort, wo es zeigt, wie klein die Anlässe waren, auf die ein Überwachungsstaat mit voller Härte reagierte. Drei Hoffeste in Greifswald zwischen 1983 und 1984, Gedichte, Musik, gemeinsames Malen, ein Super-8-Film, fast 100 Gäste. Heute würde man vielleicht von studentischer Kulturarbeit sprechen. Die Staatssicherheit sah darin eine Gefahr. Aus einem Fest wurde ein Operativer Vorgang […] Wer einmal erfahren hatte, dass ein selbst gedrucktes Blatt, ein Brief oder ein Fest eine eigene Wirklichkeit schafft, war nicht mehr so leicht regierbar.«

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Hans Braumüller, TAZ-blog vom 3.07.2026